Viele Menschen sind der Auffassung, wer sein Abitur gemacht hat, der sollte auch studieren gehen. Auch ich selbst war lange Zeit dieser Meinung, weshalb ich mich während meiner letzten Schuljahre von Anfang an nur über Studiengänge informiert habe und eine Ausbildung gar nicht erst in Erwägung gezogen habe. So kam es auch dazu, dass ich im Oktober 2015 mein Studium an der Universität Regensburg begann.

Klar, ein Studium hat scheinbar viele Vorteile: Gute Jobperspektiven, später vielleicht viel Geld verdienen und nicht zu vergessen, das schöne und entspannte Studentenleben.

Aber studieren ist nicht für jeden der richtige Weg. Ich habe schon früh gemerkt, dass das Leben als Student nicht wirklich zu mir passt. Das Selbstorganisieren der Vorlesungen und Seminare, die freie Zeiteinteilung und die Tatsache, dass es selten bis nie eine Anwesenheitspflicht gibt – Punkte, die für die meisten anderen Studenten gerade das Gute am Studieren waren, waren für mich eher eine Belastung. „Wenn es egal ist, ob ich da bin, brauche ich ja gleich nicht hinzugehen. Wenn ich die Klausur auch im nächsten Semester schreiben kann, wieso sollte ich das Fach dann jetzt schon belegen? Wenn ich durchfalle, interessiert es ja auch keinen…“ Diese und ähnliche Gedanken sind mir fast ständig durch den Kopf gegangen und ich habe mich von Tag zu Tag unwohler gefühlt.

Für den Entschluss, dann aber wirklich abzubrechen, habe ich trotzdem einige Zeit gebraucht. Schließlich kommt es einem ja doch vor wie eine Niederlage, irgendwie auch wie ein persönliches Versagen, und vor allem: Wie geht es dann weiter?

In den Semesterferien im Sommer 2016 habe ich mir dann aber einfach mal meinen Laptop geschnappt und begonnen, zu recherchieren. Irgendwas musste es doch auch geben, was mir gefällt. Durch Zufall bin ich dann auf die Ausbildungsseite von Ingram Micro gestoßen und hatte sofort einen positiven Eindruck. Ich dachte mir „Da bewirbst du dich einfach mal, was hast du schon zu verlieren“. Dass ich aber schon zwei Tage später zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, hätte ich niemals erwartet. Dabei wurde mein erster Eindruck noch mehr bestätigt und ich habe mich gleich wohl gefühlt. Nachdem ich am selben Tag auch direkt eine Zusage erhalten habe, wusste ich: Das will ich machen. Also habe ich mein Studium beendet und nach nur zwei weiteren Tagen meine Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement begonnen.

Für mich war das die schwerste, aber auch die denkbar beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Ich glaube, ich habe mich noch nie so erleichtert gefühlt, wie in dem Moment, als ich mein Studium abbrechen konnte.

Allen, denen es ähnlich geht, kann ich nur raten, auf sich selbst zu hören. Es ist egal, was Verwandte und Freunde dazu sagen und auch die besten Jobperspektiven helfen nichts, wenn man selbst unglücklich damit ist. Bei solchen Entscheidungen zählt ganz allein die eigene Meinung und wenn man sich jeden Tag aufs Neue mit Zweifeln quält, kann es einfach nicht das Richtige sein.

Wer etwas gerne und mit Freude macht, wird auch Erfolg dabei haben – egal ob Ausbildung oder Studium.

Lisa

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